Klangspuren aus dem Pazifik? Wachswalzensammlungen des Berliner Phonogramm-Archivs aus dem ehemaligen Deutsch-Neuguinea

Open Access
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Award date 10-09-2025
Number of pages 205
Organisations
  • Faculty of Humanities (FGw) - Amsterdam Institute for Humanities Research (AIHR) - Amsterdam School for Cultural Analysis (ASCA)
Abstract
Mithilfe des Phonographen wurden zwischen 1904 und 1915 im Rahmen deutscher Forschungsexpeditionen in die damalige Kolonie Deutsch-Neuguinea hunderte von Wachswalzenaufnahmen mit den klingenden Versuchen angelegt, die lokalen musikalischen Praktiken zu dokumentieren. Die Walzen wurden anschließend im Berliner Phonogramm-Archiv gesammelt, geordnet und dann von der vergleichenden Musikwissenschaft analysiert. Diese konstruierte mit ihnen einen neuen wissenschaftlichen Zugriff auf das Phänomen Klang: mittels phonographischer Aufnahmen wurde in eine angenommene musikalische Vergangenheit gehört. Denn das paradigmatische Ziel der Musikwissenschaft jener Zeit war das Konstruieren einer universalen und damit weltumspannenden Musikgeschichte sowie die Suche nach den Ursprüngen der Musik, in Linie mit den Paradigmen der deutschen Anthropologie jener Zeit.
In dieser Arbeit arbeite ich vor diesem Hintergrund drei Aufnahme-Sammlungen des Archivs aus Ozeanien auf – die Sammlung Richard Thurnwalds, der deutschen Marine Expedition und der Hamburger Südsee Expedition – und untersuche sie hinsichtlich akademischer Klangepistemologien. Welche Klangepistemologien konstituieren sich aus den (musik-)wissenschaftlichen Zugriffen dieser Sammlungen, liegen ebendiesen Zugriffen aber auch von vornherein zugrunde? Ich argumentiere, dass die phonographischen Aufnahmen des Archivs vonseiten der Musikwissenschaft als klangliche Spuren einer universalen musikalischen Vergangenheit konzeptualisiert und analysiert wurden. Durch meine Aufarbeitung der Expeditionen hinsichtlich der Sammlungsaufnahmen mithilfe der Tagebücher der Expeditionsteilnehmer und ähnlicher Quellen, höre ich die jeweiligen Aufnahmen dagegen als klangliche Monumente kolonialer Begegnungen. Sie materialisieren so den Diskurs über die Musiken der Welt und ihre akademische Institutionalisierung in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts klanglich. Als klingende Monumente rufen sie die kolonialen Begegnungen zwischen den Darbietenden, den Aufnehmenden, der Klangreproduktionstechnologie des Phonographen und der Fachgeschichte der vergleichenden Musikwissenschaft und der deutschen Anthropologie ins Gedächtnis.
Document type PhD thesis
Language English
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